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Wohngebäude der Bauverein Wesel AG im Pilotprojekt

Smarte Heizkörperregler

Smarte Heizkörperregler sind nicht nur eine intelligente Technologie, die bei selbstnutzenden Eigentümerinnen und Eigentümern zunehmend eingesetzt wird, um Heizenergie einzusparen, ohne dabei Komfortverluste in Kauf nehmen zu müssen. Auch im vermieteten Wohnraum gewinnt diese Technik zunehmend an Relevanz. Sie bietet Wohnungsunternehmen die Möglichkeit, ihren Mieterinnen und Mietern einen vergleichsweise geringinvestiven technischen Anreiz zu setzen, bewusster zu heizen und somit den Energieverbrauch zu reduzieren.

Darüber hinaus wächst bei vielen Mieterinnen und Mietern das Interesse an Smart-Home-Technologien. Im Rahmen einer Wohntrendbefragung wurden im Jahr 2022 Mieterinnen und Mieter durch das InWIS im Auftrag des GdW befragt, inwiefern bestimmte Ausstattungsmerkmale einer Wohnung für sie über den üblichen Standard hinausgehen und ob sie bereit wären, hierfür eine höhere Miete zu zahlen. Einen Ausschnitt der Ergebnisse stellt die nachfolgende Abbildung dar.

Mieterumfrage zu Wohnstandards: Wohntrends 2040 – Akzeptanz von Energiesteuerung per App, Heizungssteuerung und Energieverbrauchsmessung/-visualisierung
Mieterumfrage zu Wohnstandards (Auszug). Quelle: GdW 2023 – Wohntrends 2040.

Die Ergebnisse zeigen, dass 41 Prozent der Befragten eine Heizungssteuerung als Standard ansehen, während weitere elf Prozent sogar bereit wären, hierfür höhere Mietkosten zu akzeptieren (GdW 2023, S. 66).

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere smarte Heizungssteuerungen im Mietwohnungsbestand auf eine vergleichsweise hohe Akzeptanz stoßen. Damit besteht ein relevantes Potenzial zur Beeinflussung des Heizverhaltens. Vor diesem Hintergrund haben verschiedene Wohnungsunternehmen in den vergangenen Jahren die Chancen und Risiken des Einsatzes smarter Heizkörperregler im Rahmen von Pilotprojekten untersucht.

Einsatz smarter Heizkörperregler bei der Bauverein Wesel AG

Auch die 1908 gegründete Bauverein Wesel AG hat sich mit dem Einsatz smarter Heizkörperregler auseinandergesetzt. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden im Sommer 2023 insgesamt sieben Gebäude mit 43 Wohneinheiten mit smarten Heizkörperreglern des Modells Honeywell TheraPro HR90 ausgestattet.

Die Bauverein Wesel AG übernahm im Rahmen des Pilotprojekts die Anschaffungskosten für den Erwerb der Heizkörperregler. Die Montage erfolgte durch den hauseigenen Regiebetrieb.

Wohngebäude im PilotprojektWohngebäude im Pilotprojekt

Parallel zur technischen Installation wurden den Mieterinnen und Mietern die Funktionen erläutert sowie individuelle Heizzeitpläne besprochen und eingerichtet. Dieses Vorgehen ermöglicht die Vermeidung potenzieller Default-Effekte sowie eine bewusste Auseinandersetzung der Mieterinnen und Mieter mit den neuen Steuerungsmöglichkeiten.

Um im Rahmen der Auswertung des Piloten aussagekräftige Vergleiche zu ermöglichen, wurde jedem der ausgestatteten Objekte ein nahezu baugleiches Referenzgebäude ohne smarte Heizkörperregler zugeordnet.

Die Mieterstruktur innerhalb des Quartiers ist heterogen. Der größte Anteil gehört der Altersgruppe zwischen 45 und 64 Jahren an, zugleich sind jüngere wie auch deutlich ältere Bewohnerinnen und Bewohner vertreten. Während der Projektlaufzeit meldeten sich vier Mieterinnen und Mieter mit Fragen oder Beschwerden.

Die Auswertung der Energieverbrauchsdaten des Pilotprojekts zeigt, dass durch den Einsatz smarter Heizkörperregler auf Gebäudeebene Einsparungen von bis zu 25 Prozent erzielt werden konnten. Grundlage ist der Vergleich des durchschnittlichen Heizenergieverbrauchs der Abrechnungsjahre 2020 bis 2022 mit dem Verbrauch des Jahres 2024, welches das erste vollständige Abrechnungsjahr nach der Installation der Heizkörperregler darstellt.

Eine Auffälligkeit in der Auswertung des Piloten lag darin, dass ebenfalls in den Referenzgebäuden ab dem Jahr 2023, in welchem die Montage der Regler erfolgte, ein deutlicher Rückgang des Energieverbrauchs zu verzeichnen war, obwohl die Bauverein Wesel AG mit den dort wohnhaften Mieterinnen und Mietern keine begleitende Kommunikation durchgeführt hatte.

Die Bauverein Wesel AG führt diese Einsparungen, die sich über den gesamten Wohnungsbestand hinweg beobachten ließen, unter anderem auf die intensive öffentliche und mediale Thematisierung der drohenden Gasknappheit im Jahr 2022 zurück.

Im Folgejahr 2024 stiegen die Energieverbräuche der Referenzgebäude zumeist wieder deutlich an. Die mit smarten Heizkörperreglern ausgestatteten Gebäude verblieben dagegen im Durchschnitt auf einem vergleichbaren Verbrauchsniveau wie im besonders verbrauchsarmen Jahr 2023. Des Weiteren wurde deutlich, dass die Gebäude, die vor Montage der smarten Heizkörperregler bereits einen niedrigen Energieverbrauch hatten, eine deutlich geringere Einsparung erzielen konnten. Diese Effekte sind der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen.

Veränderung der Energieverbräuche durch den Einsatz smarter Heizkörperregler
Veränderung der Energieverbräuche durch den Einsatz smarter Heizkörperregler

Nach Abschluss des Pilotprojekts hat die Bauverein Wesel AG die Mieterinnen und Mieter der mit smarten Heizkörperreglern ausgestatteten Wohnungen schriftlich kontaktiert. Ihnen wurde freigestellt, die Regler weiterhin zu nutzen. Voraussetzung hierfür war, dass sie den zukünftigen Austausch der Batterien selbstständig und auf eigene Kosten durchführen.

In dem Schreiben wurden den Mieterinnen und Mietern zudem ihre individuellen Einsparergebnisse je Zentralheizung in Kilowattstunde je Quadratmeter und Jahr mitgeteilt. Zur besseren Verständlichkeit wurde diese Einsparung beispielhaft auf eine Wohnungsgröße von 50 Quadratmeter hochgerechnet und ergänzend in Euro umgerechnet.

Die Mehrheit der Mieterinnen und Mieter sprach sich für eine weitere Nutzung der smarten Heizkörperregler aus. Insgesamt baten nach Beendigung des Projekts sechs um Demontage der Geräte. Auffällig ist, dass rund 70 Prozent dieser Haushalte in dem Gebäude mit der geringsten erzielten Energieeinsparung wohnen. Für diese Gebäude ergab die Hochrechnung der potenziellen Heizkosteneinsparung bei einer Wohnfläche von 50 Quadratmetern lediglich einen Betrag von etwa 20 Euro pro Jahr, während andere Einsparungen von bis zu 150 Euro erzielten.

Dies legt nahe, dass die wahrgenommene Wirksamkeit der technischen Maßnahme einen Einfluss auf ihre Akzeptanz haben könnte. Fällt die monetäre Einsparung gering aus, sinkt möglicherweise die Bereitschaft zur weiteren Nutzung der Technologie.

Insgesamt stellte die Bauverein Wesel AG fest, dass nicht nur große Maßnahmenpakete, wie die energetische Modernisierung der Immobilienbestände, einen wichtigen Beitrag zur Klimawende leisten. Auch vergleichsweise geringinvestive Maßnahmen, wie die Umrüstung auf smarte Heizkörperregler, können einen wesentlichen Effekt auf den Energieverbrauch ausüben.

Quelle: GdW 2023 – Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.: Wohntrends 2040, GdW Branchenbericht Heft 9, 2023.

Unsere Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag: 08.00–12.30 Uhr, 13.30–16.30 Uhr
Mittwochnachmittags nach Terminvereinbarung
Freitag: 08.00–12.00 Uhr

Parkplätze können wir selber nicht zur Verfügung stellen – es besteht aber die Möglichkeit, direkt nebenan das Parkhaus zu nutzen.

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